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Der Chaga und seine Heilwirkung (Schiefer Schillerporling, Inonotus obliquus)

Verfasst von Mag.a Sissi Kaiser und Tom Beyer, Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats der Mycoverse Foundation. Primärquelle: Buch „Heimische Baumpilze – Rezepte & Anleitungen für die Hausapotheke“ (2025)

Schnellübersicht: Der Chaga und seine Heilwirkung

  • Wissenschaftlicher Name: Inonotus obliquus.
  • Gängige Namen: Chaga, Schiefer Schillerporling
  • Pilztyp: Parasitärer Pilz, der als Sklerotium geerntet wird
  • Vorkommen: Auf Birken und anderen Laubbäumen in kalten Regionen wie Sibirien, Nordeuropa, Nordamerika und Asien, hauptsächlich in Wäldern mit Birkenbeständen.
  • Heilwirkungen: Antioxidativ, immunmodulierend, entzündungshemmend, antimikrobiell, antiviral, antidiabetisch, potenziell antitumor.
  • Traditionelle Verwendung: In der russischen, chinesischen und nordamerikanischen Volksmedizin als Tee gegen Magenprobleme, Tuberkulose, Krebs, zur Immunstärkung und Entgiftung.

Potenzielle medizinische Wirkungen des Chaga, seine Heilwirkungen

Antioxidativ: Neutralisiert freie Radikale, schützt vor oxidativem Stress, reduziert DNA-Schäden und unterstützt die Zellgesundheit durch hohe Konzentrationen an Phenolen und Melanin.
Immunmodulierend: Stärkt das Immunsystem, aktiviert natürliche Killerzellen und Makrophagen, fördert die Produktion von Zytokinen und hilft bei der Abwehr von Infektionen.
Entzündungshemmend: Hemmt entzündungsfördernde Enzyme wie COX-2 und NF-κB, lindert Symptome bei Arthritis, rheumatischen Erkrankungen und chronischen Entzündungen.
Antimikrobiell: Wirkt gegen Bakterien (z. B. Staphylococcus, Escherichia coli), Pilze und Parasiten durch Triterpene und Polysaccharide.
Antiviral: Inhibiert Viren wie Influenza, Hepatitis C und HIV, indem es die Virusreplikation blockiert und die Immunantwort verstärkt.
Antitumor/Antikrebs: Induziert Apoptose in Krebszellen (z. B. bei Lungen-, Brust-, Leber- und Gebärmutterhalskrebs), hemmt Tumorwachstum und Metastasenbildung durch Betulinsäure und Polysaccharide.
Antidiabetisch: Senkt Blutzuckerspiegel, verbessert die Insulinsensitivität, reduziert oxidativen Stress bei Diabetes und schützt vor Komplikationen wie Neuropathie.
Leberschützend: Schützt die Leber vor Toxinen, reduziert Leberentzündungen und fördert die Regeneration von Leberzellen.
Herzschützend: Senkt Cholesterin- und Triglyceridspiegel, verhindert Atherosklerose (=spezifische Form der Arteriosklerose) und unterstützt die kardiovaskuläre Gesundheit durch anti-oxidative Effekte.
Anti-allergisch: Reduziert allergische Reaktionen, hemmt Histaminfreisetzung und lindert Symptome bei Allergien oder Asthma.
Wundheilend: Fördert die Wundheilung, reduziert Infektionsrisiken und unterstützt die Geweberegeneration durch antimikrobielle und entzündungshemmende Eigenschaften.
Anti-aging: Verlangsamt Alterungsprozesse durch Schutz vor oxidativem Stress, Unterstützung der Hautgesundheit und Verbesserung der allgemeinen Vitalität.
Gegen Hyperurikämie: Senkt Harnsäurespiegel, hilft bei Gicht durch Hemmung der Xanthinoxidase und entzündungshemmende Wirkungen.
Magen-Darm-Schützend: Lindert Magenprobleme, schützt vor Ulzera und unterstützt die Darmgesundheit durch antimikrobielle Effekte.
Neuroprotektiv: Schützt Nervenzellen vor Schäden, potenziell hilfreich bei neurodegenerativen Erkrankungen durch antioxidative Eigenschaften.

Zubereitung und Verwendung

Kulinarisch eignet sich der Pilz für Tees, Dekokte und Extrakte. Medizinisch wird er als Tee, Pulver oder Tinktur verwendet. Empfohlene Dosierung laut Literatur und Quellen: 1-3 g getrocknet pro Tag, zum Beispiel als Tee aufgebrüht, um die Bioverfügbarkeit zu erhöhen.

Erkennung und Merkmale

Der Chaga wächst als schwarzes, verkohlt wirkendes Sklerotium auf Birkenstämmen, mit einer harten, rissigen Oberfläche und orange-braunem Inneren. Er erscheint in gemäßigten und kalten Klimazonen, wird aber auch immer mehr gezüchtet, um den weltweiten Bedarf decken zu können. Verwechslungen mit Baumkrebs und Baumperlen sind möglich, aber harmlos.

Warnungen und Risiken

Der Pilz gilt als sicher, wenn er richtig identifiziert wurde. Verwechslungen sind nur mit ungiftigen Arten möglich. Das Sklerotium enthält Oxalate in hohen Mengen, die bei hoher Dosierung (Tee, Pulver, etc) Nierenprobleme verursachen können. Bei medizinischer Nutzung die potenziellen Wechselwirkungen mit Medikamenten mit einem Therapeuten abstimmen.

Der Chaga und die traditionellen Anwendungen

Chaga enthält eine Vielzahl an gesundheitsfördernden Verbindungen, darunter Beta-Glucane, Polyphenole, Antioxidantien, Melanin, Betulin, Triterpene und Polysaccharide. Diese Stoffe stärken das Immunsystem, reduzieren Entzündungen, helfen bei der Regulierung des Blutzuckers und fördern die Leber- und Hautgesundheit. Zudem zeigen aktuelle Studien über den Schiefen Schillerporling einige deutliche potenzielle krebshemmenden Eigenschaften.

In der sibirischen und russischen Volksmedizin wird Inonotus obliquus seit dem 16. Jahrhundert als Tee oder Dekokt gegen Magenbeschwerden, Tuberkulose und Krebs eingesetzt. In Nordamerika wurde der Pilz zur Stärkung des Immunsystems und als Tonikum bei Erschöpfung verwendet.

In der TCM ist der Pilz unter „Bai Hua Rong“ bekannt und wird bei Lebererkrankungen und zur Entgiftung angewendet. Der Pilz wurde als Pulver oder Extrakt konsumiert, oft mit Honig gemischt, und galt als Mittel gegen Infektionen und zur Förderung der Langlebigkeit.

Wichtig zu wissen: Es ist nicht der Fruchtkörper, es ist das Sklerotium

Das was vom Chaga geerntet und verwendet wird, ist nicht der Fruchtkörper, sondern ein Schutz- und Speicher“organ“ des Pilzes. In dem Sklerotium werden die hilfreichen Inhaltsstoffe gespeichert. Das Sklerotium ist aber uch Schutz für den Pilz. Deshalb unbedingt mindestens einen Daumenbreit Sklerotium am Baum als Schutz lassen. Wenn du so vorgehst, ist das gut für dich und den Pilz, denn über Jahre bildet sich dort neues Sklerotium.


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Forschung zu Inonotus obliquus konzentriert sich auf seine bioaktiven Verbindungen wie Betulinsäure, Triterpene, Polysaccharide und Phenole, die antioxidative, immunmodulatorische und antitumorale Effekte zeigen.

In vitro- und Tierstudien deuten auf eine Hemmung von Tumorzellproliferation hin, etwa durch Apoptose-Induktion in Krebszellen (z. B. bei Magen- und Lungenkrebs). Eine Studie zeigte, dass wässrige Extrakte die Aktivität von Natürlichen Killerzellen steigern und Entzündungsmarker reduzieren können.

Potenzielle Anwendungen umfassen die Unterstützung bei Diabetes durch Senkung des Blutzuckerspiegels via Inhibition von Alpha-Glucosidase sowie antivirale Effekte gegen Influenza-Viren. Eine randomisierte Studie an Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen berichtete von symptomlindernden Effekten.



Verwendete Literatur

Kaiser, S. und Beyer, T. (2025): Heimische Baumpilze: Rezepte und Anleitungen für die Hausapotheke – Altes Wissen küsst moderne Forschung. freya Verlag. Verfügbar unter: https://shop.freya.at/kraeuterwissen/pflanzen-kraeuter/598/heimische-baumpilze [abgerufen am 11. Dezember 2025].

Weitere Quellenangaben

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