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Kurzversion: DMSO als Auszugsmittel für Pilzextrakte

Verfasst von Mag.a Sissi Kaiser und Tom Beyer, Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats der Mycoverse Foundation; Primärquelle für Extrakte aus Pilzen: Buch „Heimische Baumpilze – Rezepte & Anleitungen für die Hausapotheke“ (2025)

Dimethylsulfoxid (DMSO) ist eine farblose, geruchlose Flüssigkeit, die als starkes Lösungsmittel hydrophile und lipophile Stoffe auflöst. Es wird in Industrie, Medizin und Forschung eingesetzt. DMSO transportiert Stoffe durch Zellmembranen, indem es die Lipidstruktur vorübergehend lockert, die Membranpermeabilität erhöht und reversible Kanäle schafft, ohne die Membran zu zerstören. Dies ermöglicht eine schnellere und tiefere Aufnahme von Wirkstoffen, z. B. in Salben oder Gels, abhängig von der Konzentration: Niedrige Dosen (unter 10 %) sind mild, höhere beeinflussen stärker. Risiken umfassen Hautreizungen, Wechselwirkungen und Transport unerwünschter Stoffe.

Bei der Extraktion von Inhaltsstoffen aus Pilzen interagiert DMSO mit Lipiden und Proteinen in Zellmembranen, steigert die Permeabilität und setzt bioaktive Komponenten effizient frei. Vorteile: Erhöhte Löslichkeit und Ausbeute. Nachteile: Möglicher Transport unerwünschter Stoffe, Hautreizungen und Einschränkung auf geringe Konzentrationen in reiner Qualität.

Ideale Konzentration für Pilzextraktion: 50–100 % DMSO für maximale Ausbeute bei Einweichen von pulverisierten Pilzen (z. B. 2–3 Tage), gefolgt von Filtration. Für Konsum verdünnen auf 0,1–15 %, da höhere Dosen toxisch sein können (z. B. Zellschäden, Enzymhemmung).

Empfehlung: Mit 100 % extrahieren, auf 1 % verdünnen, pharmazeutisches DMSO verwenden und mit niedrigen Dosen starten.

Quellenangaben siehe unten

Wie wirkt DMSO als Auszugsmittel?

Dimethylsulfoxid, kurz DMSO, ist eine farblose, geruchlose Flüssigkeit, die seit Jahrzehnten in der Industrie, Medizin und Forschung verwendet wird. Es ist ein starkes Lösungsmittel, das sowohl wasserlösliche (hydrophile) als auch fettlösliche (lipophile) Stoffe auflösen kann. Das macht es nützlich in vielen Bereichen, von der Chemie bis zur Pharmazie. 

Die eigentliche Faszination und der „Hype“ um DMSO liegen in der Fähigkeit, Stoffe durch Zellmembranen zu transportieren. Es ist kein klassisches Extraktionsmittel im Sinne von „herausziehen“, sondern eher ein „Eindring Hilfsmittel“, das den Weg in die Zelle ebnet.

Die Zellmembran ist – bildlich gesprochen – wie eine schützende Mauer: Sie besteht hauptsächlich aus Lipiden (Fetten), die eine doppelte Schicht bilden. Diese Schicht ist semipermeabel, also lässt sie nur bestimmte Stoffe passieren, um die Zelle zu schützen (semipermeabel = halbdurchlässige Schicht, die für bestimmte Substanzen durchlässig ist, für andere jedoch nicht durchlässig). 

DMSO interagiert nun mit dieser Membran auf molekularer Ebene. Es ist aprotisch, was bedeutet, dass es keine Wasserstoffbrückenbindungen spendet, aber stark polare Gruppen hat. Dadurch kann es die Lipidstruktur vorübergehend lockern: Es stört die engen Verbindungen zwischen den Lipidmolekülen, verändert ihre Anordnung und schafft so kleine Lücken oder Kanäle. Bildlich gesprochen öffnet DMSO „Türen“ in der Membran, ohne sie zu zerstören – der Effekt ist reversibel, also kehrt die Membran nach einiger Zeit in ihren Normalzustand zurück. Durch diese Lockerung erhöht DMSO die Permeabilität (Durchlässigkeit) der Zellwände. Das betrifft nicht nur die Zellen bei äußerer Verwendung, sondern auch Zellen im Innern. 

Wenn DMSO mit einem Wirkstoff gemischt wird, kann es diesen Stoff „mitnehmen“: Es löst den Wirkstoff auf und transportiert ihn durch die Membran hindurch. So gelangen Substanzen schneller und tiefer in Gewebe oder Zellen, was bei topischer Anwendung (auf der Haut) besonders nützlich ist. Zum Beispiel in Salben oder Gels verstärkt DMSO die Aufnahme von entzündungshemmenden Mitteln, ohne dass hohe Dosen systemisch (im ganzen Körper) wirken müssen.

Wichtig ist: Dieser Effekt hängt von der Konzentration ab. Bei niedrigen Dosen (unter 10 %) ist DMSO harmlos und wirkt mild, bei höheren kann es die Membran stärker beeinflussen. Studien zeigen, dass es die Diffusionsrate (wie schnell Stoffe wandern) und die Verteilung (Partition) zwischen Vehikel (Trägerstoff) und Membran verbessert. Es schafft auch kleine Lösungsmittel-Taschen im Gewebe, die den Wirkstoff aufnehmen. 

Aber Vorsicht: DMSO kann auch unerwünschte Stoffe transportieren, und es gibt Risiken wie Hautreizungen oder Wechselwirkungen. Es ist kein Wundermittel, sondern ein Werkzeug, das wissenschaftlich fundiert, aber mit Maßen eingesetzt werden kann.

Wie funktioniert die Extraktion von Inhaltsstoffen aus Pilzen mit DMSO?

Was genau macht DMSO bei Pilzen? Auf molekularer Ebene interagiert es mit den Lipiden und Proteinen in den Zellmembranen. Es stört vorübergehend die enge Packung der Membranmoleküle, was die Permeabilität steigert. Dadurch können Inhaltsstoffe effizienter freigesetzt werden.

Vorteile von DMSO in der Pilzextraktion: Es erhöht die Löslichkeit bioaktiver Komponenten, indem es die Zellwände durchlässiger macht. 

Nachteile: Es kann unerwünschte Stoffe mittransportieren, Hautreizungen verursachen und ist nur in geringen Konzentrationen und in hochreiner Qualität anwendbar. 

Was ist die ideale DMSO-Konzentration bei der Extraktion aus Pilzen?

Die Herausforderung, eine DMSO-Konzentration zu finden, die eine optimale Extraktion bioaktiver Verbindungen aus Pilzen ermöglicht und gleichzeitig sicher für den menschlichen Konsum ist, erfordert eine Balance zwischen Effizienz und Toxizitätsrisiken. Basierend auf wissenschaftlichen Untersuchungen liegt die ideale Konzentration für die Extraktion bei höheren Werten, während für den Konsum eine starke Verdünnung notwendig ist, um gesundheitliche Risiken zu minimieren.

Bei der reinen Extraktion – also dem Prozess, in dem getrocknetes Pilzmaterial (z. B. Champignon oder Reishi) in DMSO eingeweicht wird – empfehlen Studien Konzentrationen von 50 bis 100 Prozent DMSO. In dieser Stärke dringt DMSO tief in die Pilzstruktur ein, löst lipophile und hydrophile Stoffe auf und maximiert die Ausbeute. 

Zum Beispiel zeigen Experimente, dass Konzentrationen über 50 Prozent die Pigment- und Nährstoffausbeute signifikant steigern, ohne die bioaktiven Komponenten zu schädigen. Dabei werden pulverisierte Pilze in reinem DMSO für 2 bis 3 Tage eingeweicht, anschließend wird das Pilzpulver abgefiltert. Niedrigere Konzentrationen (unter 50 Prozent) reduzieren die Effizienz der Extraktion.

Für den menschlichen Konsum muss der Extrakt jedoch verdünnt werden, da DMSO in hohen Dosen toxisch sein kann – es kann Zellen schädigen, Enzyme hemmen oder neuronale Effekte auslösen. Die FDA klassifiziert DMSO als Klasse-3-Lösungsmittel (niedriges Toxizitätspotenzial). Eine optimale finale Konzentration für orale oder topische Anwendungen liegt bei 0,1 bis 15 Prozent, abhängig vom Verwendungszweck. Bei 15 Prozent gilt DMSO in sterilen Mischungen als sicher und wirksam, z. B. in Infusionen oder Tropfen, wo es als Trägerstoff dient. Unter 0,1 Prozent hat es keine nennenswerten Effekte auf Zellprozesse, während über 2 Prozent Risiken wie Hautreizungen oder Zytotoxizität steigen.

Praktische Empfehlung

Mit 100-prozentigem DMSO extrahieren für maximale Ausbeute, dann den Extrakt mit Wasser verdünnen (z. B. auf 1 Prozent DMSO-Pilz-Extrakt), um ihn konsumierbar zu machen. Immer mit niedrigen Dosen beginnen und Reaktionen beobachten. Pharmazeutisches DMSO (Ph. Eur.) verwenden.

Verwendete Quellen 

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