Michael Naderhirn – Pilze zwischen Heilung und Hightech
Seit meiner Kindheit gehe ich gerne in den Wald, um Pilze zu suchen. Ihre Formen und Farben haben mich schon damals fasziniert. Doch erst eine schwere Erkrankung brachte mich dazu, mich wirklich mit der Heilkraft der Pilze auseinanderzusetzen. Auf der Suche nach Antworten fand ich die Website von Sissi und Tom heimische-heilpilze.at und besuchte ihre Kurse. Dort lernte ich, wie man spagyrische Essenzen und Tinkturen herstellt. Heute kultiviere ich in meinem Labor bereits 65 Pilzarten – ein direktes Ergebnis dieser Begegnung.

Pilze werden seit Jahrtausenden als Heilmittel genutzt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) sind sie fest verankert. Ein berühmtes Beispiel ist Ötzi, die Gletschermumie, die den Birkenporling bei sich trug – wahrscheinlich als Heilmittel und Schutz.
Mein beruflicher Weg verlief zunächst ganz anders. Ich habe Mechatronik studiert, in Robotik und Regelungstechnik promoviert und mehrere Technologieunternehmen gegründet – unter anderem im Bereich Radar, autonomes Fahren, autonomes Fliegen und spiking neural networks. Dieses technische Fundament prägt meinen besonderen Blick auf die Pilze.
Denn hier entsteht ein spannender Zusammenhang
In der Heilung wirken Pilze regulierend. Heilpilze stärken das Immunsystem, stabilisieren den Stoffwechsel und helfen dem Körper, sich ins Gleichgewicht zu bringen. Sie sind sozusagen Regler für die inneren Netzwerke des Menschen: Sie ordnen Signale zwischen Zellen, verhindern Überreaktionen und fördern Harmonie.
In der Technologie übernimmt das Pilzmyzel eine sehr ähnliche Rolle – allerdings nur im äußeren, technischen Bereich. So wie Heilpilze innere Signale im Körper steuern, kann das Myzel elektrische Signale steuern: Es leitet Impulse weiter, speichert sie zwischen und filtert sie. Damit wirkt es wie ein biologischer Schaltkreis, der Ordnung in Ströme bringt. Forscher konnten bereits zeigen, dass sich daraus Leiterplatten bauen lassen¹ und sogar Batterien, die Energie nicht nur speichern, sondern auch regulieren².
In der Forschung zu Biophotonen schließlich geht es um winzige Lichtsignale, die in lebenden Systemen entstehen und möglicherweise der Informationsübertragung dienen³. Auch wenn dies noch spekulativ ist, passt es gut ins Bild: Die Natur nutzt unsichtbare Netzwerke – ob über Zellen, elektrische Impulse oder vielleicht sogar Licht.
Die Gemeinsamkeit all dieser Felder ist klar: Ob im Körper, in der Technik oder vielleicht sogar im Licht – Pilze verbinden, regulieren und schaffen Balance. Sie sorgen dafür, dass Energie und Informationen sinnvoll fließen.
Für mich schließt sich damit ein Kreis: Pilze, die mir zuerst durch ihre Heilwirkung geholfen haben, eröffnen mir heute auch Wege zu technischen Innovationen. Heilung und Technologie sind zwei Seiten derselben Naturkraft.
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Fußnoten / Quellenangaben
Danninger, D., Pruckner, R. et al. (2022). MycelioTronics: Fungal mycelium skin for sustainable electronics. Science Advances 8(45): eadd7118. DOI: 10.1126/sciadv.add7118.
Empa (Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology). Biologisch abbaubare Pilzbatterien, 2021/22.
Babelyuk, V., Popovych, I., Smoleńska, O., Michalska, A., Muszkieta, R., Hagner-Derengowska, M., Dobrovolsky, Y., Dubkova, G., Korolyshyn, T. & Zukow, W. (2025). Visual Imagery in Modern Mind-Body Practices: Biophotonic Information Transfer through Water-Mediated Neural Resonance. Journal of Education, Health and Sport 77: 58167. DOI: 10.12775/JEHS.2025.77.58167.