Tinktur-aus-Vitalpilzen

Eine Pilz Tinktur herstellen

Eine Tinktur aus einem Pilz kannst du gut auch zu Hause herstellen. Am besten eignen sich getrocknete Pilze, die idealerweise noch zu Pulver weiter verarbeitet worden sind. Nur die Pilze, bei denen sich die Aromen durch die Trocknung verflüchtigen, sollten ausschließlich frisch verarbeitet werden, wie z.B. der Fenchelporling. Dabei unbedingt denWassergehalt im Auge behalten.

Was man du beim Pilz-Tinktur herstellen wissen musst

Wissenschaftliche Studien beschäftigen sich nicht nur mit der Wirkung von Inhaltsstoffen von Pilzen, sondern auch mit den Lösungsmitteln die für eine Tinktur oder einen Auszug verwendet wird. Dabei zeigt sich immer wieder, dass Alkohol-Tinkturen natürlich hervorragende Pilz-Therapeutika sind.

Im Vergleich zur Wirkung von Wasserauszügen oder anderen Tinkturen (bspw. mit Glycerin oder Fermentationen) hat die Alkohol Tinktur jedoch vollkommen andere Einsatzbereiche als Therapeutikum.

Tinktur selber machen

Pilze zählen zu den ältesten natürlichen Ressourcen der Menschheit und werden seit Jahrtausenden für ihre gesundheitsfördernden Eigenschaften geschätzt. Besonders Alkohol-Tinkturen, die aus Pilzen hergestellt werden, erfreuen sich in der modernen Naturheilkunde großer Beliebtheit. Diese flüssigen Extrakte nutzen Alkohol als Lösungsmittel, um bioaktive Verbindungen aus den Pilzen zu lösen.

Wie Alkohol-Tinkturen aus Pilzen funktionieren

Bei der Herstellung einer Alkohol-Tinktur werden getrocknete oder frische Pilze in hochprozentigem Alkohol (meist Ethanol) eingelegt und über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten extrahiert. Der Alkohol dient hier als Lösungsmittel, das sowohl wasserlösliche (hydrophile) als auch fettlösliche (lipophile) Stoffe aus den Pilzzellen löst. Pilze enthalten eine Vielzahl bioaktiver Komponenten wie Polysaccharide, Triterpene, Phenole und Antioxidantien, die für ihre potenziellen immunstärkenden, entzündungshemmenden oder antitumorösen Effekte verantwortlich sind. Der Alkohol durchdringt die harten Zellwände der Pilze – oft aus Chitin aufgebaut – und extrahiert diese Verbindungen effizient. Zudem wirkt der Alkohol konservierend, sodass die Tinktur lange haltbar ist, ohne dass Bakterien oder Schimmel wachsen können. Moderne Varianten kombinieren manchmal eine Wasser-Extraktion mit einer Alkohol-Extraktion, um ein breiteres Spektrum an Wirkstoffen zu gewinnen. Diese duale Methode maximiert die Ausbeute, da Wasser vor allem Polysaccharide löst, während Alkohol lipophile Substanzen wie Triterpene freisetzt.

Historischer Kontext: Von der Antike bis heute

Die Nutzung von Pilzen als Heilmittel reicht bis in die Steinzeit zurück. Archäologische Funde, wie der des Ötzi, des „Eismannes“ aus den Alpen vor etwa 5300 Jahren, zeigen, dass Pilze bereits damals als Überlebenshilfe dienten – etwa als Wundversorger oder Entzündungshemmer. In der Antike klassifizierte der griechische Arzt Hippokrates um 450 v. Chr. bestimmte Pilze, wie den Amadou-Pilz, als wirksame Mittel gegen Entzündungen und zur Wundbehandlung. In Asien, insbesondere in China und Japan, haben Pilze eine noch längere Tradition in der Medizin. Schon im 5. Jahrhundert n. Chr. beschrieb der Alchemist Tao Hongjing Arten wie Ling Zhi (Ganoderma lucidum) und Zhu Ling, die angeblich bereits vom mythischen Kaiser Shennong Jahrhunderte zuvor verwendet wurden. Diese Pilze galten als Mittel zur Förderung von Langlebigkeit, Stärke und Gesundheit.

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) werden Pilze wie Reishi (Ganoderma lucidum) seit der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) eingesetzt, etwa als Adjuvans bei Krebs oder zur Immunstärkung. Ähnlich in Japan mit Shiitake (Lentinula edodes) oder in Taiwan mit Antrodia cinnamomea gegen Lebererkrankungen. Nordamerikanische indigene Völker nutzten Puffball-Pilze (Calvatia-Arten) zur Wundheilung. Bis ins Mittelalter und die Alchemie-Zeit dienten Pilze in Europa und Asien als Basis für Heilmittel, oft in Form von Aufgüssen oder Pulvern. Die spezifische Verwendung von Alkohol zur Extraktion entwickelte sich später, mit dem Aufkommen der Destillation im Mittelalter, und ermöglichte es, neue Wirkstoffe zugänglich zu machen, die in reinen Wasserpräparaten verborgen blieben. Heutige wissenschaftliche Studien bestätigen viele dieser traditionellen Anwendungen und erweitern sie durch moderne Extraktionsmethoden.

Vergleich zu anderen Extraktionsverfahren

Im Vergleich zu anderen Methoden bietet die Alkohol-Extraktion Vorteile in der Breite der extrahierten Stoffe und der Haltbarkeit, ist aber nicht immer die effizienteste für alle Komponenten. Wasserbasierte Verfahren wie Infusionen (Aufguss in heißem Wasser) oder Dekokte (langes Kochen) lösen vor allem hydrophile Verbindungen wie Polysaccharide und eignen sich gut für Tee-ähnliche Präparate, die schnell zubereitet sind, aber kürzer haltbar. Öl-Extraktionen hingegen zielen auf lipophile Stoffe ab, sind jedoch weniger vielseitig und oft auf spezifische Anwendungen beschränkt. Studien zeigen, dass hydro-alkoholische Mischungen (Alkohol mit Wasser) häufig höhere Antioxidantien-Ausbeuten erzielen als reine Wasser- oder organische Lösungsmittel wie Hexan, da sie eine Balance zwischen Polarität und Lösekraft bieten. Dennoch hängt die Wahl vom Pilztyp und den gewünschten Wirkstoffen ab: Für stark antioxidative Effekte kann saures Wasser überlegen sein, während Alkohol für lipophile Triterpene ideal ist. Insgesamt ist die Alkohol-Methode konservierender und extraktionsstärker, erfordert aber mehr Zeit und Ausrüstung als einfache Wasser-Extrakte.

Dieser Überblick verdeutlicht, warum Alkohol-Tinkturen aus Pilzen eine faszinierende Brücke zwischen Tradition und moderner Wissenschaft darstellen – eine Methode, die altes Wissen mit zeitgemäßen Erkenntnissen verbindet.

Anleitungsvideo Pilz Tinktur selber machen (z. B. mit Zunderschwamm)

Verwendete Literatur

Kaiser, S. und Beyer, T. (2025). Heimische Baumpilze: Rezepte und Anleitungen für die Hausapotheke – Altes Wissen küsst moderne Forschung, Seite 242 und folgende. freya Verlag. Verfügbar unter: https://shop.freya.at/kraeuterwissen/pflanzen-kraeuter/598/heimische-baumpilze [Zugriffsdatum: 11. Dezember 2025].

Weitere Quellen

Hobbs, C. (1995) Medicinal Mushrooms: Ancient Remedies Meet Modern Science. In: Integrative Medicine Communications. Verfügbar unter: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4684114/ [Zugriff am 07.12.2025].

Venturella, G. et al. (2021) Medicinal Mushrooms: Bioactive Compounds, Use, and Clinical Trials. In: Journal of Fungi, 7(1), S. 34. Verfügbar unter: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7826851/ [Zugriff am 07.12.2025].

Soković, M. et al. (2021) Comparison of Different Extraction Solvents for Characterization of Antioxidant Potential and Polyphenolic Composition in Boletus edulis and Cantharellus cibarius Mushrooms from Romania. In: Molecules, 26(24), S. 7508. Verfügbar unter: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8704948/ [Zugriff am 07.12.2025].

Cheung, Y.-C. et al. (2021) Comparison of antioxidant activity and extraction techniques for commercially and laboratory prepared extracts from six mushroom species. In: Journal of Agriculture and Food Research, 4, S. 100130. Verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666154321000326 [Zugriff am 07.12.2025].

Unterschiede von Pilz zu Pilz, von Krankheit zu Krankheit

Zu beachten sind dann noch zusätzlich die Unterschiede zwischen den Pilzen. Die Pilze haben sehr unterschiedliche Inhaltsstoffe, und daraus ergibt sich natürlich auch ein anderes Anwendungsspektrum.

Von größerer Bedeutung ist aber, dass Wasserauszüge für bestimmte Erkrankungen UND für bestimmte Pilze wesentlichen effektiver sein können als Tinkturen mit Alkohol.

Eine aktuelle Studie zum Champignon bei Darmkrebs zeigte zum Beispiel, dass eine Alkohol Tinktur nahezu keinen positiven Effekt erzielte und sogar mehr schadete. Der Heißwasser-Auszug hingegen erzielte eine sehr intensive Wirkung und wird nun zu weiteren Forschungen mit dem Champignon als Therapeutikum bei Darmkrebs führen.

Einfaches Rezept: Eine Pilz Tinktur mit Alkohol aus Pilzen selber herstellen

Ob es darum geht, eine Zunderschwamm Tinktur selber zu machen, oder ob du vom Rotrandiger Baumschwamm ein Tinktur herstellen möchtest, und auch ob du eine Tinktur aus Schmetterlingstramete oder eine Tinktur aus Birkenporling selber machen möchtest: im Grundrezept ist die Vorgehensweise immer die selbe. Zwar gibt es auch bei der Konzentration des Alkohols Unterschiede in der Anwendung und Wirkung, aber die 40% bis 50% Variante ist für viele die gängige Version (wir nehmen die 42% für die meisten Anwendungen).

1) Flasche (z.B. 1Liter Flasche) zu einem Viertel mit dem (getrockneten) Pilz füllen (ideal Pulver, es gehen auch Stücke).

2) Alkohol aufgießen und zu 90% die Flasche auffüllen (es muss oben ein wenig Platz bleiben)

3) Flasche Luftdicht verschließen

4) An normal temperierten Ort stellen, nicht in direktes Sonnenlicht

5) Regelmäßig (ideal ist täglich) die Flasche ordentlich schütteln (1 Minute reicht)

6) Mindestens 4 Wochen so ziehen lassen und dabei immer wieder ordentlich schütteln

7) Abfiltern und auspressen, die abgefilterten Pilze haben nun in dieser Version keine Verwendung mehr (bei einem spagyrischen Mittel aus Pilzen hingegen sind die Pilze noch sehr wichtig! Auch für einen Dualextrakt musst du den ausgepressten Pilz aufbewahren).

8) Natürlich kann die Tinktur sofort verwendet werden. Damit die die volle Kraft entwickelt und „reift“, ist es gut ihr noch Zeit zu geben. Es ist wie mit einem guten Wein.

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