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Welche generellen Auswirkungen hat die Zubereitung von Pilzen als getrocknetes Pulver im Vergleich zu frischen Stücken auf die Extraktion bioaktiver Verbindungen?

Die Wahl zwischen getrockneten und zerkleinerten Pilzen (als grobes Pulver) und frischen, in Stücke zerkleinerten Pilzen beeinflusst die Extraktion bioaktiver Verbindungen. Diese Unterschiede entstehen durch den Trocknungsprozess, die Oberflächenvergrößerung und die Erhaltung der Inhaltsstoffe. 

Die folgenden Angaben basieren auf wissenschaftlichen Untersuchungen zu essbaren und medizinischen Pilzen unabhängig vom eingesetzten Lösungs- oder Auszugsmittel.

Zusammenfassung tabellarischer Überblick

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigen Parameter, die eine Entscheidung für die jeweilige Methode erleichtern sollen. Daraus ergibt sich als Methode mit dem Potenzial für die meisten Anwendungen die getrockneten fein zerkleinerten Pilze kombiniert mit Ultraschall, direkt gefolgt von getrocknet und zerkleinert (Pulver) und mit Vorteilen in speziellen Anwendungen bei den frischen Pilzen, die aber in den meisten Bereichen weniger sinnvoll sind.

Vorteile und Auswirkungen bei getrockneten und zerkleinerten Pilzen (Pulver):

Konzentration der bioaktiven Verbindungen

Durch den Entzug von Wasser (bis zu 90 % in frischen Pilzen) werden die Inhaltsstoffe konzentriert. Das führt zu höheren Gehalten an stabilen Verbindungen wie Flavonoiden, Phenolen und Beta-Carotin pro Gewichtseinheit im Vergleich zu frischen Pilzen. Studien zeigen, dass getrocknete Pilze bis zu doppelt so hohe Flavonoid- und Phenolgehalte aufweisen können, da der Prozess diese Stoffe anreichert.

Verbesserte Extraktion

Das Pulver bietet eine größere Oberfläche, was die Freisetzung von Verbindungen erleichtert. Getrocknete Pilze sind leichter zu mahlen und zu lagern, was eine standardisierte Extraktion ermöglicht. Allerdings hängt der Ertrag von der Trocknungsmethode ab: Niedrige Temperaturen (idealerweise um 35–50 °C) minimieren Verluste, während höhere Temperaturen (über 60 °C) zu Verlusten und Degradation führen können.

Ergothioneingehalt wird erhöht

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass der Ergothionein-Gehalt umso mehr steigt wenn die Trocknung langsame und schonend verläuft. Ergothionein ist ein starkes Antioxidans in Pilzen, das Zellen vor oxidativem Stress schützt.

Empfohlene Trocknungsmethode

Grundsätzlich empfehlen wir die Trocknung auf niedriger Stufe, ideal in einem Dörrautomat bei 35 °C mit Belüftung. Diese Methode schont die bioaktiven Verbindungen, da Hitze für Pilze (und Kräuter) immer schädlich ist – sie verursacht thermische Degradation, Oxidation, Enzym-Inaktivierung und Maillard-Reaktionen, die zu Verlusten an Inhaltsstoffen führen. Niedrige Temperaturen (unbedingt unter 50 °C) erhalten volatile Verbindungen, Phenole und Nährstoffe besser.

Einsatz von Ultraschall für getrocknetes Pulver

Die ultraschallunterstützte Extraktion  verbessert die Gewinnung bioaktiver Stoffe aus getrocknetem Pulver erheblich. Im Vergleich zu konventionellen Methoden (z. B. Maceration) erhöht UAE den Ertrag um bis zu 50–100 %. Ultraschall eignet sich für pulverisierte Formen, da die größere Oberfläche die Effizienz steigert. 

Nachteile

Empfindliche Stoffe wie Vitamin C, Lycopen oder organische Säuren können durch Hitze, Oxidation oder enzymatische Abbauprozesse während des Trocknens abgebaut werden. Je geringer die Temperatur beim Trocknen, desto besser.

Gesamteinschätzung

Geeignet für haltbare, hoch-konzentrierte Auszüge. Die Methode eignet sich für alle Anwendungen und Rezepte mit Heilpilzen. Verluste im Bereich der Säuren und Vitamine. Für einige wenige Pilze ist die Trocknung nicht geeignet, sie müssen wegen der Inhaltsstoffe möglichst umgehend frisch verarbeitet werden. Hierzu gehört der Fenchelporling, dessen Alkohole die gesundheitlichen Wirkungen bestimmen, aber sehr leicht flüchtig sind.  

Vorteile und Auswirkungen bei frischen, zerkleinerten Pilzen (Stücke):

Bessere Erhaltung empfindlicher Verbindungen

Frische Pilze behalten hitze- und oxidationsempfindliche Stoffe wie Vitamin C, Lycopen, Alkohole und organische Säuren in höheren Mengen. Untersuchungen weisen auf bis zu doppelt so hohe Gehalte an Vitamin C und Lycopen hin im Vergleich zu getrockneten Varianten. 

Natürliche Bioverfügbarkeit

Die natürliche Feuchtigkeit und intakte Zellstruktur schützen vor Degradation, was zu höheren Gesamtgehalten an Phenolen und Proteinen führt. Zerkleinerung in Stücke erhöht die Oberfläche moderat, ohne die Vorteile der Frische zu verlieren.

Nachteile

Die höhere Feuchtigkeit erschwert die Extraktion, da mehr Volumen verarbeitet werden muss, und die Haltbarkeit ist begrenzt (Risiko von Verderb). Die Chitin-Wände schränken die Freisetzung bioaktiver Stoffe ein, was die Absorption im Körper oder die Ergiebigkeit bei der Extraktion reduzieren kann. 

Gesamteinschätzung

Ideal für Auszüge, die maximale Frische und Erhaltung empfindlicher Antioxidantien priorisieren, aber mit Herausforderungen bei der Extraktion vieler wichtiger Inhaltsstoffe von Pilzen, sowie bei der Lagerung und Stabilisierung der Extrakte.

Fazit des Vergleichs

Die Wahl ob getrocknet oder frisch hängt von der gewünschten Anwendung ab: Für medizinische oder akute Behandlungen und immunfördernde Polysaccharide oder stabile Phenole eignen sich getrocknete Pilze am besten, für Gesundheitsvorsorge und vitaminreiche Auszüge oder Alkoholhaltige Inhaltsstoffe sind auch frische Pilze für Auszüge hilfreich.

Verfasst von Mag.a Sissi Kaiser und Tom Beyer, Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats der Mycoverse Foundation.

Verwendete Literatur

Kaiser, S. und Beyer, T. (2025). Heimische Baumpilze: Rezepte und Anleitungen für die Hausapotheke – Altes Wissen küsst moderne Forschung, Seite 223 sowie 234 und folgende. freya Verlag. Verfügbar unter: https://shop.freya.at/kraeuterwissen/pflanzen-kraeuter/598/heimische-baumpilze [Zugriffsdatum: 11. Dezember 2025].

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